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TAUCHEN IN NORDZYPERN

„Es war grossartig! Ich schwamm mitten zwischen den Fischen – ich sah nicht einfach nur von oben auf sie herab! Als wir um die Felskante bogen, wies Klaus nach vorn. Was auf den ersten Blick wie eine Reihe von rund dreissig, auf einer Wäscheleine in der Dünung hin und her schwingender Socken aussah, erwies sich bei näherem Hinsehen als eine Versammlung von Tintenfischen, die sich schliesslich, einer hinter dem anderen, gemächlich davonmachten – ein phantastischer Anblick“, sprudelte die nicht mehr ganz junge Tauchelevin nach ihrem ersten Tauchgang im Flachwasser des Çikarma Plaji hervor. Sie, die sich eigentlich nie „das schwere Zeug“ auf den Rücken schnallen wollte, war begeistert . . .

Vorreiter bei der Einführung dieser faszinierenden Sportart in Nordzypern war Asim Uygur, der die Tauchbasis am Çikarma Plaji leitet, wo unsere Elevin ihre Feuertaufe erhielt. Alle nordzyprischen Tauchbasen sind mit modernen Gerätschaften und sog. RIB`s (Rigid Inflatable Boats / Festrumpfschlauchbooten) ausgerüstet. Neben Exkursionen für erfahrene Taucher veranstalten sie intensive Schulungen für Anfänger. Sie folgen dabei den Ausbildungsrichtlinien der führenden Taucherverbände PADI (Professional Association of Diving Instuctors), BSAC (British Sub Aqua Club), SSI (Scuba Schools International) und CMAS (Confédération Mondiale des Activités Subaquatiques). Man spricht Englisch.

„Es ist schon bemerkenswert, wie vielfältig das Leben unter Wasser hier ist, vergleicht man es mit anderen Tauchgebieten des Mittelmeers. Das gilt für die Meeresfauna wie auch für die Unterwasserflora. Offensichtlich sind die Tauchgründe weder überfischt noch von zu vielen Tauchern heimgesucht worden“, konnte man kürzlich in einer Fachzeitschrift lesen. Und selbst ein Tauchinsider, der sich in den Tauchgründen vor Aqaba auskennt und weltläufig über seine Unterwasserabenteuer in den Gewässern der Malediven, vor Sharm-el-Sheikh und in der Karibik zu plaudern weiss, räumt ein, solche Prachtburschen von „Zackies“ (Zackenbarschen) wie am Zeyphyros-Riff kaum je woanders gesehen zu haben, ganz zu schweigen von den aufregenden Relikten vergangener Zeiten: antiken Amphoren, Ankern, Flugzeugwracks.
Die Merkmale der nordzyprischen Gewässer sind in der Tat aussergewöhnlich: Flora und Fauna sind intakt, die Artenvielfalt enorm, die Sicht unter Wasser brillant (nicht selten bis 40 m). es gibt spektakuläre Steilhänge („drop-offs“) und Canyons sowie kilometerlange, dicht mit Fischschwärmen besetzte Riffe. Fast alle interessanten Tauchspots liegen nur 20 – 30 Bootsminuten entfernt und überschreiten nur selten die 40-Meter-Marke. Die Wassertemperatur sinkt in den Wintermonaten kaum unter 17 Grad und erreicht hochsommerliche Spitzen von 28 Grad.

Unter Fischen . . .

Wer bei einem Tauchgang einmal einer Meeresschildkröte begegnet ist, wird diesen Moment wohl nie vergessen. Einen dieser urtümlichen Panzerträger zu Gesicht zu bekommen, ist fast ein Glücksfall, bevorzugen sie doch die offene See als ihren Lebensraum. Nur während der hochsommerlichen Eiablage nähern sie sich den nordzyprischen Stränden, die als Kinderstube für das Überleben der gefährdeten Arten Chelonia Mydas (Suppenschildkröte) und Caretta Caretta (Unechte Karettschildkröte) von immenser Bedeutung sind.
Um so häufiger zeigen sich kapitale, unglaublich neugierige Zackenbarsche, ziehen Makrelenschwärme vorbei, begegnet man stattlichen „Amberjacks“ aus der Familie der Schwertfische. „Mineri“ nennen die Einheimischen diesen Meeresbewohner, der schon mal 40 kg auf die Waage bringen kann. Bunte Kuckuckslippfische, Sandtaucher und Knurrhähne stehen über Sandarealen, während Manta-, Stachel- und Nagelrochen auf ihren Schwingen vorbeigleiten und aus so mancher Felshöhle furchterregend eine Muräne hervorlugt, bereit für die nächtliche Jagd. Skorpionsfische, bei denen man besser auf Distanz bleibt, verbergen sich perfekt getarnt zwischen den Steinen der Geröllfelder. Soldaten- und Papageienfische, Angehörige de grossen Brassen- und Barbenfamilien, Oktopusse und Tintenfische – aber da sind auch noch die scherenbewaffneten Krebstiere, die Muscheln, die Napfschnecken, die sich an die Felsen klammern, Röhrenwürmer und Moostierchen, Schwämme, Korallen und Algen und als grandiose Hintergrundkulisse farbenprächtig bewachsene Felsformationen.

. . . und andere Begegnungen

Noch hatte jeder Aquanaut in Nordzyperns Gewässern früher oder später sein Erlebnis der ganz besonderen Art: unvermittelt stösst er oder sie auf Spuren der Vergangenheit. Was wie eine bizarr geformte, üppig bunt bewachsene Felsspitze aussieht, entpuppt sich als altertümlicher Stockanker. Oder ein vor wer weiss wie vielen Jahrhunderten zu Boden gesunkener Tonkrug wird gesichtet, der, überwuchert von Muscheln, jetzt einer Muräne als Unterstand dient. Keramikbruchstücke, zerborstene Amphoren, Reste antiker Glasgefässe, korrodierte Metallteile unbestimmbaren Alters sind vielerorts zu entdecken. Freilich wird so mancher Schatz noch unerkannt in den verkarsteten Canyons ruhen oder unter Sand begraben sein, wie einst das berühmte „Schiff von Kyrenia“, das ein Schwammtaucher im Sommer 1965 in 30 m Tiefe rund einen Kilometer vor Girne entdeckte. Die konservierten und restaurierten Überreste des antiken Seglers sind heute im Schiffswrackmuseum der Burg von Girne zu bestaunen. Der Fundort „wreck site“ zeigt noch den Abdruck des Schiffsrumpfs. Über das Areal verstreut findet man noch Vorrichtungen zur Vermessung des Fundorts und Körbe mit Keramikscherben – Überbleibsel der fast vierjährigen Bergungsarbeiten.
Anders als das unfreiwillige Ende des Kyrenia-Schiffs war die Versenkung eines ausrangierten Fliegers der Istanbul Airlines eine gezielte Massnahme. „Anchor + Cockpit“ heisst der Tauchspot auf dem Riff querab Girne-Burg, denn hier haben ausser Flugzeugkanzel und Rumpffragmenten auch ein gewaltiger Anker und die dazugehörige Ankerkette ihren Ruheplatz gefunden.

Am Zafer Burnu

Höhepunkt für „Flaschenträger“ ist zweifellos eine Exkursion zur nordöstlichen Karpaz-Halbinsel, wo 1972 der unter liberianischer Flagge fahrende Frachter „Città di Alessandria“ versank und in mehrere Teile zerbrach. Die Überreste, zwei Anker, Decks, Motorblock, Schiffsschrauben, liegen in Tiefen zwischen 6 und 15 m, sind also auch für Anfänger sicher zu betauchen und für Langzeittauchgänge sehr attraktiv.
Hier oben am Inselsporn, der geradewegs auf Syrien zeigt, verbirgt sich ein veritabler Schiffsfriedhof. Ob die Überreste des österreichischen Dampfers noch aufzuspüren sind, der im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts, als das Alpenland noch stolze Seemacht war, auf den Strand gesetzt wurde? Das Unglückschiff war mit 1.200 Tscherkessen an Bord von Istanbul nach einem kleinasiatischen Hafen unterwegs, als es zu einem Aufruhr kam und der Kapitän in seiner Not das Schiff auf den Strand steuerte und den Heizern den Befehl zum Sprengen der Kessel gab.
Das Seegebiet um Kap Andreas (Zafer Burnu) mit den vorgelagerten unbewohnten Kleides-Inseln birgt noch so manch` andere Überraschung. Auf einem 1 km breiten Streifen von der Kapspitze bis jenseits der Inselkette mit Wassertiefen nicht über 50 m ziehen sich Felsformationen hin, wiegen sich Seegraswiesen, unterbrochen von Sandflächen und Geröllfeldern. Nicht weniger als zehn Fundorte in Tiefen zwischen 7 und 20 m wurden in diesem Areal lokalisiert. Bei vier von ihnen scheint es sich um Wracküberreste zu handeln, die anderen zeigen über Bord gefallenes oder versenktes Gut. Steinanker gleich im Dutzend und auch solche aus Blei und Eisen wurden hier entdeckt, dazu große Mengen an Ziegeln, Fragmenten von Terrakotta-Särgen, Glasgefässe, Amphoren. In das 5. vorchristliche Jahrhundert sind die ältesten Fundstücke zu datieren, die jüngeren stammen aus römischer bis frühbyzantinischer Zeit.
Aber die Karpaz-Halbinsel bietet noch mehr, z. B. einen flachen Tauchgang im winzigen antiken Hafen von Agios Philon mit alten Befestigungen, Steinankern und Amphorenscherben, den Tauchspot „Karpaz Arch“, wo ein 3 m grosser Anker auf Besucher wartet oder die antiken Fundstätten „Bafra Beach“ und „Boğaz Amphora“, letztere ein Tieftauchgang auf 35 m, der zu zwei zwischen den Felsen ruhenden Amphoren führt.
Von Korucam Burnu nach Girne

Am anderen Ende der Insel, an ihrer nordwestlichen Spitze, die Korucam Burnu heisst, hält der Tauchspot „Kormakiti“ zwar keine spektakulären Überreste antiker Handelssegler bereit, dafür begeistert die Artenvielfalt seiner Unterwasserwelt. „Rita“, auf halbem Weg nach Girne, wartet mit einem riesigen zwischen Felsen eingeklemmten Anker auf, „Lost“ mit Tiefen zwischen 12 und 18 m bietet gute Chancen, Meeresschildkröten zu begegnen und in Höhe des Dorfes Lapta locken die dekorativen Amphoren von „Antique Shop“. Und schließlich reihen sich mit „The Wall“, „Paradise“ und „Zephyros“ die Top-Spots am Zephyros-Riff (bis 42 m Tiefe) auf, das sich kilometerlang parallel zur Küste hinzieht. Hier kommt jeder auf seine Kosten: der Archäologe unter den Tauchern findet seinen uralten Anker mit mindestens 25 m Ankerkette, Drop-off-Fans und Canyon-Gleiter stoßen auf traumhafte Felsgebilde und für die Bewunderer der Fischwelt haben schon die freundlichen „Zackies“ ihr Spalier gebildet.


Unsere Partner-Tauchbasis:

Amphora Scuba Diving Center
http://www.amphoradiving.com


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